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| Gesunde Liebe |
Das "Gesunde Liebe"
Programm ist ab Herbst als Power Point Präsentation erhältlich, inklusive
Einschulung.
Anfragen an: info@purelove.at
Eine Methode zum schrittweisen erlernen von Abstinenz in der Liebe
Vortragsleitfaden
von
Teri Lester
Prolog
Es war einmal ein König, der hatte nur ein Kind, ein wunderschönes kleines Mädchen. Er liebte es mehr als irgend etwas auf der Welt, aber er war immer besorgt wegen ihm, denn als es noch eine kleines Baby war, hatte es eine böse Hexe verflucht: mit sechzehn Jahren sollte sich das Mädchen an einer Spindel in den Finger stechen und für hundert Jahre in einen tiefen Schlaf sinken.
Der König war entschlossen, daß so eine schreckliche Sache nie geschehen dürfe. Er befahl, daß all Spindeln im ganzen Königreich zerstört werden sollten, so daß es keinerlei Möglichkeit gab, daß sie sich in den Finger stechen konnte. Das ist die "Große-Regierungs-Methode". Leider, wie es so mit den meisten großen Regierungslösungen steht, war da eine gewisse Misserfolgsrate ins System eingebaut .
Wegen des Bannes hatte Dornröschen nie eine Spindel gesehen. Da lebte aber eine alte Frau, die taub war, und die schon seit fünfzehn Jahren in einem Türmchen des Schlosses saß und spann. Eines Tages begegnete Dornröschen der alten Frau, und neugierig wie Teenagers nun einmal sind, faßte sie die Spindel, die sie noch nie gesehen hatte, an und stach sich damit in den Finger.
Was wäre geschehen, wäre ihr Vater nicht der König gewesen und hätte nicht wählen können, alle existierenden Spindeln zu vernichten?
Er hätte ihr Spindel-Vermeidungs-Disziplin beibringen müssen. Er hätte ihr jede Art von Spindel, die je hergestellt worden ist, zeigen müssen und er hätte sie lehren müssen, wie sie sich vor Spindeln schützen konnte, wenn sie einer begegnete und er war nicht da. Er hätte sie lehren müssen, daß es auch schlechte Menschen auf der Welt gab, die versuchen würden, damit sie eine Spindel berührt. Er hätte ihr gesagt: "Du bist zu wertvoll um dich zur Befriedigung des Verlangens von irgend jemand, dem du selbst nicht am Herzen liegst, zu opfern."
Wie klingt das ? Mir kommt das vor als lehrte man Kindern Selbstdisziplin, Selbstkontrolle und ihren wahren Wert als Individuum. Es klingt wie - Gesunde Liebe!
Für den Lehrer
Werden Sie sich über Ihre eigenen Gefühle klar
Wenn Sie in diesem Handbuch (Leitfaden) so weit gekommen sind, dann habe Sie eine Menge über Liebe und Sex gelesen. Wenn Sie wie die meisten Leute sind, dann mag einiges, was sie gelesen haben, ein wenig unbequem für Sie sein, ein wenig peinlich und manches mag sie sogar ein wenig ärgern.
Nun, das ist ganz natürlich! Die meisten von uns haben ein paar ungelöste Gefühle über Sex irgendwo in uns drin. Aber das sollte Sie nicht davon abhalten, gesunde Liebe zu unterrichten. Was wirklich wichtig ist, das ist, wie Sie mit ihren eigenen Gefühlen umgehen.
Ich habe herausgefunden, daß der beste Weg um damit zurechtzukommen ist, wenn man seine Phantasie und einen Spiegel nimmt und wenn man sich allen diese Dingen direkt stellt.
Sagen wir, Sie haben ein tiefes, dunkles Geheimnis, eine sexuelle Sache aus Ihrer Vergangenheit und Sie haben das Gefühl, daß sie zerstört würden, wenn irgendjemand das herausfinden würde. Raten Sie einmal: Jeder Mensch hat so ein Geheimnis! Ich bin überzeugt, daß Sie fühlen es würde Sie zerstören wenn irgendjemand dieses schreckliche, häßliche Ding herausfände, und ich bin genauso überzeugt, daß alle außer Ihnen diese Sache gar nicht so schlimm finden würden.
Sie müssen diese Sache ans Licht bringen. Sehen Sie hin! Sehen Sie es sich von allen Seiten an und dann stellen Sie sich vor, Sie stehen vor hunderten von Leuten und jemand im Publikum weiß über diese schreckliche Sache. Sie sind da oben und reden begeistert über gesunde Liebe und Tugenden und Werte und das Gute und dann steht jemand auf und sagt: „Ich weiß was Sie getan haben! Wie können Sie es sich erlauben und da vorne stehen und über Tugend zu sprechen, wenn Sie selbst so eine schrecklich abscheuliche Sache getan haben? Sie Heuchler!!!"
Nun, beruhigen Sie sich. Sie stellen sich das doch nur vor! Aber wissen Sie was? Stellen Sie sich jetzt vor, daß Sie darauf antworten. Ja, Sie haben diesen Fehler (oder zwölf) gemacht. Was ist wichtiger, Ihre Vergangenheit oder ihre Gegenwart? Sie haben aus Ihren Fehlern gelernt, nicht wahr?
Machen Sie das einmal am Tag einige Monate lang. Stellen Sie sich verschiedene Umstände vor, auch verschiedene schreckliche Enthüllungen und gehen Sie durch alle möglichen Erwiederungen, die es gibt. Probieren Sie Sarkasmus, Angriff, Entschuldigungen, Argumente, Verteidigung, Rechtfertigungen aus und machen Sie weiter bisSie zu dem Punkt kommen, an dem Sie nur ganz einfach sagen: „Ja, das ist geschehen und es tut mir wirklich sehr leid. Aber alles ist anders heute, und ich habe nicht viel dazu zu sagen also machen wir weiter (mit dem Vortrag)."
Ein dunkles Geheimnis ist so ähnlich wie ein wunder Muskel. Wenn man sich nicht darum kümmert, wird er immer steif und schmerzhaft bleiben, und jedes Mal wenn man sich an dieser Stelle aus versehen anstößt, wird das furchtbar schmerzhaft sein. Aber wenn man diesen Muskel öfter masiert, auch wenn es anfangs weh tut, schmerzt er doch mit der Zeit weniger bis nur noch ein leichter Schmerz übrigbleibt und eines Tages werden Sie feststellen, daß er gar nicht mehr weh tut. Dann geht es weiter in ihrem Leben.
Unterrichten ist keine Therapie
Aber lösen Sie diese Dinge für sich selbst in Ihrer Freizeit.
Sie müssen sehr vorsichtig sein und dürfen Ihre Gesunde Liebe Vorträge nicht als Therapie für Sie selbst benützen. Wenn Sie ein Problem mit Sex haben, dann müssen Sie damit auf andere Weise zurechtkommen. Es ist nicht in Ordnung wenn Sie Ihre Fehler vor der Klasse „beichten".
Es ist ganz natürlich, daß Sie sich von Dingen, die ihnen leid tun, erleichtern möchten. Aber Sie müssen ihre eigenen Gefühle über Ihr Verhalten in sexuellen Dingen in der Vergangenheit durchgearbeitet haben bevor Sie vor einer Klasse stehen und einen Vortrag geben. Wenn Sie mit den Regeln von Gesunde Liebe einverstanden sind, müssen Sie diesen Standard zuerst selbst verwirklichen bevor Sie versuchen, ihn an andere weiterzugeben.
Wenn Sie in ihrer Vergangenheit unangebrachten sexuelle Aktivitäten mitgemacht haben, müssen Sie das lösen bevor Sie mit dem Unterrichten beginnen. Es gibt zwei Teile um dies zu erreichen: akzeptieren Sie zuerst, daß diese Handlungen nicht gut waren für Sie und zweitens vergeben Sie sich selbst.
Wir treten für Gesunde Liebe ein, das bedeutet, gar keine vorehelichen sexuellen Handlungen. Ob Sie nun selbst sexuell aktiv waren oder nicht vor der Ehe, Sie müssen die Botschaft von Gesunde Liebe sicher und unzweideutig weitergeben. Teenager sind sehr empfindlich gegenüber Heuchelei. Wie können Sie ihnen beibringen, nicht sexuell aktiv zu sein wenn für Sie selbst alles erlaubt ist?
Wenn Sie wirklich daran glauben, daß es besser ist wenn junge Menschen nicht sexuell aktiv sind müssen Sie denselben Standard in Ihrem Leben verwirklichen. Sie müssen Ihr Gewissen erforschen. Was denken Sie selbst über ihre Handlungen in der Vergangenheit? Denken Sie, daß sie entschuldbar sind, oder gerechtfertigt oder daß sie dadurch Lebenserfahrung gewonnen haben?
Denken Sie an die Grundlagen von Gesunde Liebe: Jeder Ausdruck von Liebe, den man in einer sexuellen Beziehung erfahren kann, kann auch in einer nicht-sexuellen Beziehung erlebt werden, mit Ausnahme vom Kinder-kriegen. Wenn Sie das wirklich glauben, wie können Sie dann ihr Verhalten in Ihrer Vergangenheit entschuldigen?
Nun, jeder Lehrer hat einmal einen Fehler gemacht in dem Fach, das er unterrichtet. Wenn Sie nicht wissen, was die möglichen Fehler sind, wie könnten Sie dann etwas unterrichten? Die Aufgabe des Lehrers ist es, die Schüler auf die Herausforderungen des Lebens vorzubereiten. Sogar Menschen die enthaltsam geblieben sind mögen einige Erlebnisse gehabt haben, in denen sie nahe dran waren, sich ungesund zu verhalten. Das Hauptaugenmerk, wie auch in jeder Unterrichtssituation ist es, das Problem zu analysieren und fähig zu sein, jemand anderen beizubringen, wie es gelöst werden kann.
Das Wichtigste ist es, daß Sie von Ihren Fehlern lernen und in die Zukunft schauen. Es ist viel gesünder, wenn Sie sich durch ihre eigenen Gefühle hindurcharbeiten, sich mit ihnen auseinandersetzen und dann weitermachen mit ihrem Leben, und nicht an diesen Gefühlen hängen bleiben und sich ständig selbst dafür bestrafen.
Nun, wenn alles was wir tun nur das ist, daß wir uns unsere Fehler selbst vergeben und vergessen und unser Leben weiterleben, was hat es dann mit all diesem Beichte/Vergebung-Kreislauf auf sich? Ist das Endresultat nicht dasselbe?
Nicht wirklich. Der Unterschied ist in der Erwiderung, die Sie geben können, wenn Sie über ihre Erlebnisse in der Vergangenheit gefragt werden. Und wenn Sie sich für Enthaltsamkeit stark machen, dann wird irgendjemand irgendwann und irgendwo fragen, ob Sie immer enthaltsam gewesen sind. Stellen Sie sich nun zwei verschiedene Antworten vor:
„Also - nein, aber du solltest es sein, denn es ist gut für dich."
„Nein, ich habe in der Vergangenheit Fehler gemacht. Ich wünschte, ich hätte sie nicht gemacht und ich bin hier weil ich hoffe, daß ich euch helfen kann aus meinen Fehlern zu lernen."
Sie müssen kein Heiliger sein um Gesunde Liebe zu leben und Sie müssen keiner sein um sie zu lehren. Was Sie brauchen ist der ernsthafte Wunsch Menschen den besten, gesündesten Weg zu zeigen um tiefe Liebesbeziehungen zu verwirklichen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
Teil I
Die Philosophie von Gesunde Liebe
Enthaltsamkeit: Bestandteil des Heranwachsens
Was ist Liebe?
Wo finden wir Liebe?
Wie können wir Liebe lernen?
Gesunde Liebe, gesunde FamilienDie gesündeste Wahl
Eine realistische Methode
Die Herausforderungen identifizieren
Treffe deine Entscheidung
Setze dir Ziele
Praktiziere gesunde Liebe
Teil II
Werden Sie ein Lehrer für Gesunde Liebe
Sprechen in der Öffentlichkeit
Lehrmethoden
Gefühle klärenVortragsrichtlinien
Detaillierte Richtlinien
Kurzrichtlinien, ÜberblickProgrammentwicklung
Der Anfang
Veranstaltungen
Bewerten Sie Ihre PräsentationFragen, Fragen und noch mehr Fragen!
Fragen der Erwachsenen zu Gesunder Liebe
Fragen junger Leute zu gesunder Liebe
Anhang
Bibliographie
Einleitung
Willkommen bei „Gesunde Liebe"
Es scheint so als wäre die Debatte über Sexualerziehung endlos.
Viele haben die Sexualerziehung mit Fahrstunden verglichen. Diese beiden Sachgebiete bieten sich geradezu zu einem Vergleich an. In beiden Fällen können wir erst nach dem Erreichen eines gewissen Könnens handeln, aber dann werden wir es für den Rest unseres Lebens praktizieren. Beides bezieht sich auf starke Kräfte mit dem Potential zu viel Gutem aber auch großer Gefahr und durch beides entsteht sehr viel Freude für viele Menschen.
Wenn wir jemandem das Fahren beibringen, was lehren wir zuerst? Die Handhabung der Bremse oder des Gaspedals? Gewöhnlich fährt der Fahrlehrer mit dem Schüler zusammen im Auto. Fahrlehrer sind sehr vorsichtig, denn sie erleben direkt, welche Auswirkungen ihr Unterricht hat! Kein Lehrer würde das Training an der Bremse vernachlässigen.
Was passiert in der Sexualkundeerziehung? Wer wird verletzt, wenn die Instruktionen falsch, fehlerhaft und unerprobt sind?
Was brauchen wir zuerst - die Bremse oder das Gaspedal?
Es wurde viel über die Methoden im Sexualkundeunterricht debattiert. Die Debatte ist gewöhnlich zwischen Verhütungsmittelaufklärung und Erziehung zur Enthaltsamkeit.
Vor kurzem fand ich in der Zeitung meiner Heimatstadt, dem Kansas City Star, auf der Titelseite einen Bericht über ein Aufklärungsprogramm, das stark kritisiert wurde. Wie immer behaupteten die Kritiker, daß Abstinenz auf Angst aufbaut. Eine Vertreterin der Gemeinde wurde zitiert: „Dieses Programm baut auf Angst und Scham der Kinder auf um sie dahingehend zu manipulieren, keine sexuellen Beziehungen zu haben. Die Slogans dieses Programms pro Enthaltsamkeit sind eine grobe Vereinfachung der Teenage-Sexualität, Unwissenheit ist keine Wonne, wenn es dich töten kann."
Schauen wir uns das Zitat noch einmal genau an. Die Gemeindesprecherin kritisiert das pro- Enthaltsamkeits-Programm, daß es Furcht benützt um Kinder zu manipulieren, sie warnt indem sie sagt: „Unwissenheit ist kein Vergnügen wenn es dich töten kann." Nun, ist diese Todesdrohung nicht eine Taktik, die Angst benützt um zu manipulieren?
Auf dem Gebiet des Sexualkundeunterricht gibt es eine Menge lockeres Denken.
Es ist wie ein Offenbarung zu erkennen, wie viel Angst und Negativität auf beiden Seiten benützt wird. Diejenigen, die für das Benützen von Verhütungsmitteln eintreten kritisieren ständig diejenigen, die für Enthaltsamkeit eintreten, damit, daß sie Angst dazu benützen um die Teenager zu motivieren, sexuell enthaltsam zu sein.....
Die Philosophie von „Gesunde Liebe"
Das Programm „Gesunde Liebe" basiert auf drei Hauptgedanken: positiv, praktisch und stark zu sein.
Die Positive Einstellung: Enthaltsamkeit hat einen negativen Beigeschmack: keinen Sex erleben zu dürfen. Gesunde Liebe konzentriert sich darauf, was du tust, um wahre Liebe zu praktizieren, nicht auf das, was du nicht tust. Wahre Liebe ist gesunde Liebe, weil wahre Liebe die gesündeste Lebensweise ist.
Positiv
praktisch
mit gesundem Menschenverstand
Es ist auch wichtig, daß man einen positiven Anlauf nimmt, weil viele pro-Enthaltsamkeits-Programme, die gelehrt werden, Furcht einflößen und die Gefahren sexueller Aktivität und all die schrecklichen Dinge, die passieren, wenn jemand sexuell aktiv ist: AIDS, andere Krankheiten, Tod. Menschen reagieren nicht gut auf Drohungen. Es ist besser, den positiven Gewinn zu betonen, der von einem enthaltsamen Lebensstil kommt.
Praktische Anleitung. Viele Programme sprechen davon, wie wichtig Enthaltsamkeit ist, aber sie geben kaum praktische Anleitung wie man ein abstinentes Leben führen kann. Wir analysieren und zerteilen den Prozeß in kleine Schritte und zeigen, wie viele kleine Entscheidungen zu sexueller Aktivität führen, wir können Entscheidungen treffen, die uns zur Gesunden Liebe führen.
Der gesunde Menschenverstand: Viele pro-Enthaltsamkeits-Programme sind religiös und können darum (in den USA, Anm. der Übersetzerin) nicht in öffentlichen Schulen unterrichtet werden. Dadurch daß wir uns auf die Entwicklung von guter Urteilsfähigkeit und praktischen Fertigkeiten konzentrieren, können wir „gesunde Liebe" in allen Schulen unterrichten und eine große Zahl von gewissenhaften Menschen ansprechen, die auf ein religiöses Programm für Enthaltsamkeit nicht reagieren würden (gilt für die USA).
Entscheidungen, die wir treffen können:
1. Mit wem wir zusammen sind
2. Wo wir hingehen
3. Was wir anziehen
4. Was wir bei uns haben
5. Was wir denken
Wir haben ein Programm entwickelt, das den Unterschied zwischen Sex und Liebe lehrt und eine realistische Alternative zu allzu frühen sexuellen Beziehungen aufzeigt.
Wir lehren eine Methode, die jungen Menschen dabei hilft, schrittweise die richtigen Entscheidungen zu treffen damit sie nicht nur auf ihre Willenskraft angewiesen sind um enthaltsam zu sein.
Sex passiert nicht zufällig (Sprichwort im Deutschen: Gelegenheit macht Liebe). Jedes Mal wenn wir in eine Lage kommen, in der wir uns entscheiden müssen, ob wir eine sexuelle Beziehung eingehen oder nicht, haben wir vorher bereits Entscheidungen getroffen, die uns zu diesem Punkt gebracht haben. Diese Entscheidungen beziehen mit ein, mit wem wir zusammen sind, wohin wir gehen, was wir anziehen, was wir bei uns tragen und was wir denken. Um in der Enthaltsamkeit erfolgreich zu sein, müssen wir lernen, wie wir Entscheidungen treffen können, die unseren Entschluß zur Enthaltsamkeit unterstützen. Situationen richtig zu beurteilen ist eine Fähigkeit, die man erlernen kann und die geübt werden kann.
Wir nennen das Gesunde Liebe, weil das Wort Enthaltsamkeit einen negativen Beigeschmack bekommen hat, denn es betont, was du nicht tun darfst, und nicht was du tun sollst und kannst. Wenn du keinen Sex hast solange du nicht ganz erwachsen bist, bist du trotzdem frei, zu lieben und geliebt zu werden und bei einer großen Zahl Aktivitäten mitzumachen und aufzuwachsen und eine erwachsene, reife Persönlichkeit zu werden, die fähig ist zu wahrer, echter, tiefer, starker Liebe. Dann handelst du in einer gesünderen Weise, du entscheidest dich für gesunde Liebe anstatt für verfrühten Sex .
Wir sprechen über drei Hauptthemen, zuerst diskutieren wir darüber, wie Enthaltsamkeit ein normaler Teil des Erwachsenwerdens wird, dann zeigen wir, warum Enthaltsamkeit - Gesunde Liebe - der gesündeste Lebensstil ist. Zum Schluß zeigen wir einen Gesunde-Liebe-Plan auf: eine schrittweise Methode um Enthaltsamkeit zu üben.
Enthaltsamkeit - ein Teil des Heranwachsens
Was ist Enthaltsamkeit? Ist Enthaltsamkeit das Ziel oder ist es ein Weg um ein höheres Ziel zu erreichen? Ist Sex gut oder schlecht? Jeder stimmt zu, wenn wir sagen, daß Sex ein Ausdruck der Liebe sein sollte. Was verstehen wir unter Liebe?
Es gibt verschiedene Arten der Liebe, unterschiedliche Grade der Liebe haben unterschiedliche Verpflichtungen. Welche Liebe wünschen wir uns?
Jeder träumt vom idealen Partner in der Liebe. Wir wünschen uns jemanden, der uns bedingungslos liebt und daß diese Liebe unveränderlich ist. Sollten wir diese Liebe anstreben oder sollten wir Kompromisse machen? Sollte es uns etwas ausmachen, wenn unser idealer Liebespartner gerade vorher eine sexuelle Beziehung mit jemand anders hatte?
Was ist Liebe?
Was sind die Qualitäten wahrer Liebe? Wahre Liebe ändert sich nicht und ist beständig. Niemand möchte nur für eine kleine Weile glücklich sein! Wir sehnen uns alle nach Beziehungen, die dauerhaft sind. Wir schätzen die Freunde, die wir am längsten kennen, besonders.
Wahre Liebe konzentriert sich auf andere. Wenn ich mich auf mich selbst konzentriere, dann möchten Menschen nicht lange mit mir zusammen sein. Wahre Liebe ist großzügig, selbstlos und sogar opferbereit, wir geben etwas von uns selbst an andere ohne zu überlegen, was wir zurückbekommen. Wahre Liebe ist stark. Einige sagen, sie ist die stärkste Kraft im Universum. Menschen werden ihr Leben daran setzen, alles, was sie haben, um wahre Liebe zu finden. Wahre Liebe ist tief und voller Intensität, der Mensch, den wir lieben, den lieben wir bis in alle Ewigkeit!
Existiert wahre Liebe nur wenn jemand verliebt ist? Nein, wenn jemand verliebt ist, möchte er auch Dauerhaftigkeit, Zuneigung, Großzügigkeit und Sicherheit erfahren - es sind genau die Dinge, die wir von allen Beziehungen, die wir haben, erwarten (mit Eltern, Geschwistern, Freunden...)
Wo finden wir Liebe?
Wie muß eine Beziehung aussehen, in der wir Liebe finden?
Am Beginn unseres Lebens erhalten wir Liebe von unseren Eltern. Wir wünschen uns, daß sich diese Liebe nicht ändert und großzügig ist und wir möchten, daß sie uns sehr tief lieben. Dadurch, daß wir herzliche und bedingungslose Liebe von unseren Eltern erleben, lernen wir, anderen zu vertrauen und gewinnen Selbstvertrauen.
Dann beginnen wir, unsere Brüder und Schwestern zu lieben und wir wünschen uns natürlich, daß sie großzügig und herzlich sind. Weil wir von unseren Geschwistern lernen, zu lieben und geliebt zu werden, können wir unsere Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, entwickeln. Gewohnheiten, die wir durch unser ganzes Leben mit uns tragen.
Wenn wir erwachsen geworden sind, binden wir uns an eine Person und beginnen unsere Beziehung als Ehemann und Ehefrau. Wir haben Sex mit unserem Partner aber wir möchten, daß unsere sexuelle Beziehung auf einer Liebe voll Gefühl aufbaut und ganz sicher wünschen wir uns, daß sie großzügig, unveränderlich und herzlich ist! Schließlich werden wir selbst Eltern und dann, wenn wir alle unsere Lektionen gut gelernt haben - mit unseren Eltern, unseren Geschwistern und unserem Partner gut gelernt haben, erreichen wir unser Ziel, unsere eigenen Kinder einmal unveränderlich, selbstlos und tief zu lieben. Das ist echte Liebe - Gesunde Liebe!
Wie lernen wir lieben?
Lernen wir automatisch zu lieben? Lernen wir instinktiv? Wurden wir großzügig, herzlich und unveränderlich geboren? Nein, wir werden egoistisch, verantwortungslos, gedankenlos und rücksichtslos geboren - und das ist gerade gut für den ersten Tag unseres Lebens!
Vom Tag unserer Geburt an beginnen wir, uns zu entwickeln hin zum reifen Erwachsenen, aber wir müssen daran arbeiten. Wir lernen zu lieben indem wir geliebt werden von unseren Eltern und indem wir mit unseren Geschwistern, Schulkameraden und Freunden üben. Welche Art von Mensch möchtet ihr gerne heiraten? Möchtet ihr eine reife, verantwortungsbewußte Person heiraten? Was sind die Eigenschaften einer reifen Person?
Die meisten Menschen stimmen damit überein, daß jemand als reif gilt wenn er oder sie verantwortungsvoll, verläßlich, vertrauenswürdig, liebevoll, sicher und stabil und selbstdiszipliniert ist. Möchtet ihr nicht auch von so jemandem geliebt werden?
Wie zieht man einen liebevollen, stabilen, verläßlichen Partner an? Der beste Weg, der sicherste Weg ist, selbst liebevoll, stabil und verläßlich zu werden. Das Beste, was ihr tun könnt ist, wenn ihr eure Energie darauf verwendet, euren Charakter und eure Persönlichkeit zu entwickeln mit dem Ziel, eine reife Persönlichkeit zu werden, die fähig ist, eine stabile, liebevolle, vertrauenswürdige Beziehung zu verwirklichen.
Was geschieht, wenn ihr eine reife Persönlichkeit entwickelt, die Gesunde Liebe praktiziert? Ihr seid bereit, eine treue, monogame Beziehung mit einer anderen gereiften Person, die auch Gesunde Liebe praktiziert, einzugehen. Ein Paar, das Gesunde Liebe lebt, bringt gesunde Ehen hervor und dann eine gesunde Familie.
Gesunde Liebe, gesunde Familien
Wie würdet ihr eine gesunde Familie beschreiben? Ihr würdet wahrscheinlich sagen, daß sie herzlich, liebevoll, respektabel, ehrenhaft, sicher, stabil, loyal und ethisch hochstehend ist.
Erkennt ihr, daß die Eigenschaften einer reifen Persönlichkeit und die einer gesunden Familie so ziemlich dieselben sind?
Monogamie in einer Familie ist das selbe wie Selbstkontrolle in der Einzelperson. Eine gesunde Beziehung zu haben hängt von der Selbstdisziplin beider Partner ab, darum ist Enthaltsamkeit vor der Ehe eine Übung für Treue in der Ehe.
Darum ist Gesunde Liebe ein so wichtiger Bestandteil unseres Wachstums und unserer Entwicklung. Wenn wir uns zurückhalten, wenn unsere Liebe gesund ist, dann sind wir frei, unser vollständiges Potential zu entwickeln als reife, stabile, verläßliche und liebevolle Erwachsene.
Die gesündeste Wahl
Warum möchten Menschen Sex erleben? Was ist daran so gut?
Lacht nicht! Sex ist nicht schlecht. Genau deswegen ist es so ein kompliziertes Problem! Sex ist nicht schlecht, aber er muß zur rechten Zeit kommen. Sex ist eine sehr potente Kraft, wie Feuer. Feuer kann entweder gut oder schlecht sein - es kommt darauf an, wie es benutzt wird.
Sex fühlt sich gut an. Er ist der Ausdruck von Liebe. Durch Sex fühlen sich die Menschen einander näher. Er macht unsere Beziehung in der Ehe zu etwas Besonderem. Unsere Familien wachsen dadurch und die menschliche Rasse entwickelt sich anstatt auszusterben.
Wo liegt das Problem?
In Ordnung, aber was ist schlecht am Sex? Oder genauer, was ist schlecht an vorehelicher sexueller Aktivität? Das ist ein sehr wichtiger Unterschied. Sex zwischen zwei reifen, treuen und einander verbundener Erwachsenen ist eine völlig großartige, positive, wundervolle und notwendige Sache. Die Probleme, die wir diskutieren, sind Probleme, die entstehen, wenn Menschen sexuell aktiv sind, die noch nicht reif sind oder die keine feste, treue Beziehung mit nur einer Person haben. Es gibt drei Hauptprobleme: Erstens gibt es physische Probleme bei zu früher sexueller Betätigung. Die häufigsten davon sind ungewollte Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten. Damit einher gehen oft Depressionen, Furcht, Unsicherheit, Angst vor einer festen Beziehung und Angst vor dem Verlassen werden.
Drittens gibt es soziale Auswirkungen durch zu frühe sexuelle Betätigung. Das bedeutet, daß alle Leute einer Gesellschaft Probleme haben weil einige Leute unerwünschte Kinder in die Welt setzen oder Geschlechtskrankheiten haben.
Junge Mädchen, die Babys haben, können sich nicht selbst unterhalten. Sie werden oft krank und ihre Babys auch. Wenn die Kinder größer werden, haben es diese Mädchen schwer, Arbeit zu finden weil sie ihre Ausbildung nicht beenden konnten. Das macht eine Menge Streß. Menschen unter Streß tendieren leicht dazu, ihre Kinder zu mißhandeln oder zu vernachlässigen. Es kommt so weit, daß wir all dafür bezahlen müssen für Menschen, die nicht für sich selbst sorgen können. Menschen, die krank werden, können oft nicht für ihre eigenen medizinischen Kosten aufkommen, darum müssen wir schließlich auch für sie bezahlen.
Die sozialen Auswirkungen von verfrühter sexueller Aktivität sind nicht nur finanzieller Art. Auch die Familien leiden darunter, wenn ein Mitglied schwanger wird, ohne es zu wünschen, psychische Probleme bekommt oder an einer Geschlechtskrankheit erkrankt. Es ist sehr traurig, wenn man kranke Menschen sieht oder miterlebt, wenn kleine Kinder mißhandelt werden. Die ganze Gesellschaft leidet emotional und finanziell.
Lösungen
Das sieht alles sehr ernst aus. Wir wollen über mögliche Lösungen für diese Probleme diskutieren. Enthaltsamkeit bedeutet, daß ihr gar keinen Sex habt. Das gibt 100%igen Schutz gegen Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten und reduziert das Risiko von emotionalen Problemen die aus zu frühen sexuellen Beziehungen resultieren.
„Saver Sex" (geschützterer Sex, US-Bezeichnung für Verhütung mit Kondomen) bedeutet, sexuelle Beziehungen zu haben, aber mit Kondom und Spermiziden. Das soll etwas Schutz vor ungewollter Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten bieten, aber das ist kein Schutz vor emotionalen Problemen.
Ist „Saver Sex" realistisch? Wir wollen uns einige Fakten, Kondome betreffend, ansehen. Sie sollen Schwangerschaften verhindern durch eine Gummibarriere zwischen Haut und Samen. Aber manchmal rutscht der Gummi runter oder er zerreißt. Darum haben Paare, die Kondome benützen, eine hohe Rate von Schwangerschaften, sogar 14%. Das bedeutet, wenn ihr 2 mal pro Woche sexuelle Beziehungen habt, könnte das Kondom vielleicht einmal im Monat versagen.
Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit AIDS ist sogar noch höher wegen der natürlichen Defekte im Latex-Gummi, aus dem die Kondome hergestellt sind.
Im 19. Jahrhundert entdeckte ein englischer Arzt, daß eine Gummischranke unter anderem auch etwas Schutz vor Geschlechtskrankheiten bot. Jedoch sind die Geschlechtskrankheiten, die man damals kannte, durch Bakterien verursacht worden, nicht durch Viren. Das mag aussehen, als wäre es kein Problem, aber es ist eines, denn Viren sind sehr viel kleiner als Bakterien. Latex ist ein Naturprodukt und hat mikroskopisch kleinen Löcher oder Poren. Diese Löcher sind kleiner als Bakterien oder Samen, so daß diese nicht eindringen können. Der Virus, der AIDS verursacht, ist aber hundertmal kleiner als Bakterien und darum kann der Gummi den Virus nicht unbedingt aufhalten.
Wie klein sind diese Viren? Wenn eine Bakterie vergleichsweise die Größe eines Hauses hat, dann ist das Loch im Gummi so groß wie ein Fenster - aber der Virus ist so groß wie ein Baseball (etwas größer als ein Tennisball). Darum kann das Gummikondom den Virus leicht durchlassen.
Wegen dieser Probleme haben einige Leute zur gegenseitigen Masturbation geraten. Es gibt aber einige Nachteile bei diesem Lösungsvorschlag.
Der AIDS-Virus greift die weißen Blutkörperchen an, darum ist er überall dort zu finden, wo es auch weiße Blutkörperchen gibt und kann auch von dort übertragen werden. Auf den Schleimhäuten gibt es jede Menge weißer Blutkörperchen - Nase, Mund und Genitalien. Wenn ein Kontakt mit den Schleimhäuten einer infizierten Person besteht, kann der Virus übertragen werden. Bei jeder sexuellen Aktivität werden Schleimhäute berührt. Das bedeutet, daß jede sexuelle Betätigung - und nicht nur der Geschlechtsverkehr - das AIDS-Virus übertragen könnte.
Ein ernstes Problem mit gegenseitiger Masturbation ist auch, daß man sehr schnell stimuliert wird und daß es dann einen sehr starken Willen braucht um sich kurz vor dem Beischlaf gerade noch zurückzuhalten. Auf diese Weise ist kaum Schutz vor Ansteckung und ungewollter Schwangerschaft möglich.
Es ist ziemlich klar, daß Enthaltsamkeit der gesündeste Weg ist. Aber ist Enthaltsamkeit realistisch?
Enthaltsamkeit - ein realistischer Weg
Gewöhnlich wird bei Diskussionen über Enthaltsamkeit nichts über das Verhalten und die Entscheidungen gesagt, die jemanden in eine sexuelle Beziehung führen. Es wird so getan als wären wir in der Lage, gerade in dem Augenblick stärkster Erregung und Leidenschaft zu entscheiden, auf dieses Vergnügen zu verzichten zugunsten von Gesundheit und Wohlbefinden in der Zukunft. Das ist verständlicherweise nicht angenehm und würde jede Menge von Willenskraft erfordern.
In Wirklichkeit lebt jeder Mensch die meiste Zeit enthaltsam. Wir sind nicht ständig sexuell aktiv. In den Zeiten, in denen wir keinen Geschlechtsverkehr haben, sind wir enthaltsam. Wenn ihr nicht mit jeder attraktiven Person Geschlechtsverkehr habt, dann lebt ihr enthaltsam. Ihr müßt also wissen, inwieweit Enthaltsamkeit realistisch ist. Wir müssen lernen, immer Enthaltsamkeit zu üben. Sie kann erlernt und geübt werden genauso wie ihr jede andere Fertigkeit erlernt, vom Flöte spielen bis zum Autofahren. Wie erlernen wir eine Fertigkeit? Wenn ihr jemandem dabei helfen möchtet, das Flöte spielen zu lernen, sagt ihr dann zu ihm: Möchtest du gerne die nächsten Jahre damit verbringen, Tonleitern zu üben und von deinen Freunden ausgelacht zu werden, weil das lustig klingt? Und würdet ihr ihm dann eine Flöte schenken und ihm viel Glück wünschen? Nein, auf gar keinen Fall! Ihr würdet vielmehr sagen: Würdest du nicht gerne dieses wunderschöne Instrument spielen lernen und viel Spaß dabei haben, wenn du mit Freunden in einer Band spielen kannst? Und dann würdet ihr ihm eine Flöte schenken, dazu eine Grifftabelle und ein Übungsbuch und ihn für wöchentliche Unterrichtsstunden anmelden. Dann würdet ihr ihm helfen, viele Menschen kennen zulernen die auch Musik machen. Ihr würdet das so machen, weil die Erfahrung gezeigt hat, daß dies der beste Weg ist um ein erfolgreicher Flötespieler zu werden.
Das ist auch der beste Weg um Enthaltsamkeit zu lehren. Stelle das Werkzeug, die Instruktionen und die Unterstützung zur Verfügung. Im Zusammenhang mit einem gut durchdachten, strukturierten, unterstützendem Programm ist Enthaltsamkeit komplett normal, praktisch und zuverlässig.
Der erste Schritt: Die Hindernisse erkennen
1. Druck durch die eigene Altersgruppe ist gewöhnlich ein Problem für Leute, die enthaltsam leben möchten. Es liegt in der menschlichen Natur, Anerkennung von den Mitmenschen zu erfahren und heute werden leider hohe Ideale und „Gesunde Liebe" sehr angegriffen. Die allgemeine Meinung ist , daß die meisten jungen Leute gelegentlich sexuell aktiv sind. Ist das wirklich wahr?
2. Verworrene Wertvorstellungen sind ein anderes Problem. Einige Leute behaupten, weil es Uneinigkeit gibt in Bezug auf Werte, sollten gar keine Werte vermittelt werden. Aber wenn wir gar keine Werte lehren, haben wir anstelle von Freiheit das Chaos - niemand weiß, was man glauben soll oder nicht und wie man handeln soll.
3. Emotionales Verlangen kann es schwer machen, sich zusammenzunehmen. Wir alle haben Verlangen nach Nähe, nach Intimität. Sex bewirkt, daß man sich einander näher fühlt, aber es ist sehr wichtig zu erkennen, daß Sex keine Nähe bewirkt, wenn man einander nicht nahe gewesen ist, dann wird man sich auch nachher nicht näher fühlen. Intimität ist eine Form von Vertrauen, die aus gemeinsamen Erlebnissen und selbstloser Liebe entsteht.
4. Körperliches sexuelles Verlangen kann sehr stark sein. Es soll so sein, auf diese Weise ist das Überleben der Menschheit gesichert.
5. Verzerrung durch die Medien. Die Unterhaltungsmedien (Fernsehen, Filme, Werbung) machen Geld dadurch, daß sie den meisten Menschen gefallen möchten. Menschen möchten Liebe, aber es ist sehr schwierig, wahre Liebe im Fernsehen zu zeigen, weil die Eigenschaften der wahren Liebe meistens innerlich und unsichtbar sind. Wie zeigt man etwas, das ewig andauert? Wie sehr elektrisiert uns jemand, der verantwortungsbewußt, vertrauenswürdig, stabil und zuverlässig ist? Das kann kein Werbespot in 30 Sekunden zeigen!
Der zweite Schritt
Treffe deine Entscheidung
Wenn eine Entscheidung getroffen werden muß, was tue ich dann? Ich studiere alle angebotenen Möglichkeiten. Ich möchte verstehen, welche Entscheidung die größten Vorteile und die geringsten Probleme bringen wird. Wir treffen die ganze Zeit Entscheidungen, sogar ganz unbewußt.
Wenn man die Wahl zwischen einer Orange und einem Keks hat, was ist da am Besten? Eine Orange hat viel Vitamin C, aber es gibt eine Mantscherei. Der Keks ist sauber, aber der Zucker kann den Zähnen schaden. Wenn jemand in Eile ist und gute Kleider trägt, dann ist der Keks besser, aber wenn man eine Erkältung hat, wäre die Orange besser.
Ihr wählt Dinge, die die meisten Vorteile für euch haben, mit dem geringsten Potential für Probleme. Ihr denkt darüber nach, was das Beste für euch ist und dann trefft ihr die Entscheidung.
Mit Sex ist das genauso. Früher haben andere Leute entschieden. Wenn man unverheiratet war oder noch ein Teenager, dann gab es nichts anderes, dann hatte man keine sexuellen Beziehungen zu haben. Da gab es nicht viel Diskussion darüber und man hatte wenig Information. Es gab nicht viele Möglichkeiten.
Heute ist das nicht so einfach. Es gibt jede Menge verschiedener Meinungen, die miteinander im Widerstreit liegen. Einige sagen, jungen Leuten sollte nicht erlaubt werden, sexuell aktiv zu sein - sie möchten die Entscheidung für euch treffen.
Andere wiederum sagen, daß es keinen Weg gibt, Teenager daran zu hindern, sexuell aktiv zu sein, und daß man das gar nicht erst zu versuchen braucht. Es mag nicht so aussehen, aber auch sie möchten eine Entscheidung für euch treffen. Sie nehmen an, daß ihr sexuell aktiv seid.
Nun, wie könnt ihr eure eigene Entscheidung treffen? Wie könnt ihr wählen, was am allerbesten für euch selbst ist? Ihr müßt beides überlegen - sowohl die Vorteile als auch die Probleme, die bei jeder eurer Entscheidungen auftreten.
Ziele setzten
Immer wenn ihr eine Entscheidung treffen müßt, kann es dazu führen, daß diese euer Leben auf Monate und sogar Jahre hinaus beeinflußt. Darum ist es am Besten, wenn ihr eine klare Vorstellung davon habt, was ihr von euerem Leben erwartet und was eure Lebensziele sind.
Es sind Hunderte von Büchern darüber geschrieben worden, wie man sich Ziele setzt. Welche Methode ihr auch immer benützt - einige grundlegende Schritte sind notwendig, wenn ihr euch ein Ziel stecken möchtet.
Zuerst träumt ein wenig. Was ist mein Ziel am Ende meines Lebens? Was möchte ich sein, wenn ich erwachsen bin? Wenn die Antwort z. B. lautet „reich und berühmt", dann macht weiter, werdet genauer: Wie reich? Wie berühmt? Wo möchtet ihr leben wenn ihr reich und berühmt geworden seid? Möchtet ihr in einem Haus, einer Wohnung oder in einem Schweizer Chalet wohnen? Möchtet ihr alleine leben oder mit einer Familie?
Träumt euren Traum so präzise wie möglich, schreibt alles auf. Schreibt alles auf, was ihr euch wünscht, sogar Dinge, die aussehen, als wären sie im Widerspruch miteinander. Dann fragt euch: Wie kann ich das erreichen? Welches Training, welche Ausbildung, finanziellen Mittel etc. sind dafür notwendig? Schreibt die Antworten auf, die euch dazu einfallen.
Dann macht einen Plan. Wenn du einen Doktortitel in Mikrobiologie machen möchtest, dann frage dich: Welche Kurse muß ich dann an der Universität besuchen um mich darauf vorzubereiten? Wieviel Geld werde ich brauchen? Für welches Stipendium kann ich mich bewerben?
Wenn ihr euch so sehr auf eure Ausbildung konzentriert, was werdet ihr tun um euren Körper gesund zu halten? Ihr könnt in einen Sportverein eintreten oder in einem Fitness-Center trainieren oder jeden Tag zum Schwimmen gehen. Welche Art von Gesellschaftsleben möchtet ihr führen? Wenn ihr euch für so hohe Ziele entschieden habt, werdet ihr wenig Zeit für eure Freunde haben. Was werdet ihr tun wenn ihr euch einsam fühlt? Wahrscheinlich werdet ihr erkennen, daß ihr es braucht, mit euren Freunden zusammenzusein. Wie könnt ihr es anstellen, daß dies nicht im Konflikt mit euren Langzeitplänen steht?
Wenn ihr weiterdenkt, sprecht und über eure Ziele schreibt, werdet ihr merken, daß sich aus diesem Plan eine Anzahl von Aktionen entwickeln werden. Sogar wenn ihr nicht reich und berühmt werden möchtet, oder sehr gebildet, so möchtet ihr doch so glücklich und so zufrieden wie möglich sein. Ein sicheres, glückliches und produktives Leben zu führen setzt voraus, daß man genauso tief darüber nachdenkt, wie über ein hohes Karriereziel.
Wenn ihr einmal euer Lebensziel erkannt habt, dann denkt darüber nach, was ihr in den nächsten fünf Jahren tun müßt um euch auf dieses Ziel hin zu entwickeln. Und dann überlegt, was ihr in den nächsten sechs Monaten tun müßt. Alle diese Stufen der Planung werden euch eine Richtung weisen und ein Gefühl vermitteln, daß alles einen Sinn hat und ihr werdet in eurem Alltagsleben ausgeglichene und gesunde Entscheidungen treffen.
Wenn ihr z. B. ein Trompeter werden möchtet und wenn euch jemand eine Zigarette anbietet, dann könnt ihr ganz leicht nein sagen - nicht aus einem vagen Grund wie etwa „es ist schlecht für mich", sondern weil ihr als Trompetenspieler sehr gute Lungen braucht, und es ist ganz einfach klar, daß Rauchen eure Lungenkapazität verringert.
Wenn ihr eine klare Richtung für euer Leben habt, wird es viel leichter sein, in Streßsituationen oder unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist sehr wichtig für euch selbst, denn ihr könnt nicht immer darauf bauen, daß andere Leute eurer Bestes im Sinn haben.
Entscheidung für Gesunde Liebe
Niemand kann euch zur Enthaltsamkeit zwingen. Um enthaltsam zu sein müßt ihr euch selbst ein Versprechen geben. Letzten Endes entscheidet ihr, wie ihr leben möchtet. Ihr braucht alle Informationen, die ihr finden könnt um informierte, intelligente, gesunde Entscheidungen treffen zu können, auch in Bezug auf euren Lebensstil.
Wie kann man das Versprechen, gesunde Liebe zu leben, einhalten?
Ihr müßt euch entscheiden. Sucht die Punkte heraus, die euch am meisten bedeuten. Positive Gründe werden länger wirken als Angsttaktiken. Denkt nach, wofür ihr leben möchtet! Schreibt eure Gründe auf, damit sie euch selbst klar werden.
Ihr müßt eure Entscheidung bewahren: Wenn eure Gründe klar sind, dann trefft eure Entscheidung. Sabotiert nicht eure eigene Entscheidung und erlaubt euch keine Entschuldigungen oder Ausreden wie z. B. „ich werde enthaltsam leben außer ich treffe eine wirklich besondere Person". Wenn ihr so denkt, dann habt ihr den entscheidenden Punkt noch nicht verstanden: daß ihr euch durch Enthaltsamkeit - gesunde Liebe - frei entwickelt und euer volles Potential als eine liebende Persönlichkeit entfaltet und daß ihr euch aufbewahrt für einen Menschen, der euch treu sein wird und dem ihr auch treu sein werdet.
Ihr müßt entscheiden, was ihr wollt: eine stabile, dauerhafte, verläßliche, wahre Liebesbeziehung oder eine zeitlich begrenzte, seichte Liebe bei der ihr von Person zu Person wandert mit all dem Schmerz im Herzen, der damit verbunden ist.
Wenn ihr euch entschlossen habt, dann handelt danach: übt gesunde Liebe, weil es mit dem übereinstimmt, was ihr von eurem Leben und von euren eigenen Idealen erwartet.
Dritter Schritt
Gesunde Liebe leben
Trefft Lebensentscheidungen, die euren Entschluß, gesunde Liebe zu praktizieren, unterstützen. Sexuelle Beziehungen geschehen nicht einfach so. Immer wenn wir in eine Lage geraten, in der wir uns entscheiden müssen, ob wir eine sexuelle Beziehung haben möchten oder nicht, dann gingen bereits Entscheidungen voraus, die uns in diese Situation gebracht haben. Diese Entscheidungen beziehen unsere Kleidung, das, was wir bei uns tragen, mit wem wir zusammen sind, wohin wir gehen und, das ist das Wichtigste, an was wir denken, mit ein.
Wenn ihr z. B. Fußballkleidung anhabt, eine Fußballausrüstung dabei habt, mit Fußballspielern zusammen seid, auf einen Fußballplatz geht und über Fußballspielen und Strategien nachdenkt, was wird wahrscheinlich passieren? Höchst wahrscheinlich werdet ihr schließlich Fußball spielen!
Wenn ihr euch sexy anzieht und Dinge bei euch habt wie z. B. frische Unterwäsche, Kondome, Gleitmittel - und mit Leuten ausgeht, die sexuell aktiv sind zu Orten wo Leute sexuell aktiv sind und wenn ihr an Umarmen und Küssen, berühren und an Sex denkt, was denkt ihr, wird dann passieren?
Um unsere sexuellen Bedürfnisse unter Kontrolle zu haben, müssen wir die von uns gewählte Umgebung unter Kontrolle haben. Trefft Entscheidungen, die mit euren wirklichen Wünschen übereinstimmen..
Bevor wir weitermachen, wollen wir daran denken, daß euch diese Richtlinien nur dann helfen, wenn ihr alles durchdacht und einen Entschluß gefaßt habt. Über alles, was wir hier vorschlagen, kann man streiten, es zerlegen und aufzeigen, warum es nicht unbedingt zu einem enthaltsamen Leben beiträgt. Wißt ihr was? Das stimmt!
Regeln werden euch nicht dazu bringen, enthaltsam zu sein. Das sind nur Vorschläge, die euch helfen sollen, den Entschluß, den ihr gemacht habt, auch durchzuführen. Diese Vorschläge kommen aus dem gesunden Menschenverstand, aber sie benötigen einen denkenden, lebendigen, atmenden Menschen um sie in die Tat umzusetzen. Es wird nicht immer jemand den ganzen Tag lang auf euch aufpassen, ob ihr die Anweisungen befolgt. Es geht hier um euch selbst, wenn ihr also diese Richtlinien lest, dann fragt euch, in wieweit sie euch helfen können und nicht, wie ihr sie vermeiden könnt!
A. Unternehme etwas mit gleichgesinnten Menschen
Welche Beziehung haben wir mit den Menschen um uns herum? Man möchte immer mit solchen Menschen zusammen sein, mit denen man Gemeinsamkeiten teilt. Darum schließen wir uns Gruppen an, besuchen Verwandte und Familientreffen, und das ist der Grund, warum wir einen Partner suchen, der dazu paßt. Wenn viele Leute das Gleiche tun, dann fühlen wir, daß alles in Ordnung ist - alle machen es so.
Wir können entweder auf die Suche nach Menschen gehen, die schon so sind wie wir selbst oder wir können versuchen, unsere Freunde zu beeinflussen, damit sie auch so werden wie wir. Das kann positiv sein wenn wir versuchen, Leute dazu zu bringen, daß sie besser werden als sie sind, daß sie anderen helfen oder mehr in der Schule und Zuhause arbeiten.
Druck von Gleichaltrigen wird dann schlecht, wenn versucht wird, jemanden von seinem guten Verhalten abzubringen. Negativer Gruppenzwang entsteht dann, wenn jemand andere zum Stehlen, Drogen nehmen oder zum Sex verführen möchte.
Benützt positiven Gruppenzwang: geht mit Freunden, die euren Entschluß, enthaltsam zu sein, unterstützen und die dieselbe Entscheidung für sich getroffen haben. Verwirklicht gesunde Liebe! Habt eine gebende Haltung, macht Sozialdienst oder helft die Nachbarschaft sauber zu halten, besucht alte Menschen im Seniorenheim, macht Babysitter in eurer Nachbarschaft - alles was vom Herzen kommt, wird von Anderen geschätzt.
B. Wählt eine Umgebung, in der ihr unterstützt werdet.
Wenn ihr spät in der Nacht mit jemandem von anderen Geschlecht alleine seid, dann ist das keine gute Idee. Geht an Orte, die euch dabei helfen, euren Entschluß zur Enthaltsamkeit einzuhalten.
Eine gesunde, unterstützende Umgebung ist meistens hell, offen, mit vielen Menschen, sauberer Luft und einer familiären Atmosphäre die Gespräche ermutigt. Es ist besser vorauszuplanen, wohin ihr geht, als es dem Zufall zu überlassen. Geht zu Veranstaltungen, dort gibt es ein interessantes Programm. Es ist besser, früh auszugehen und auch früh wieder heimzugehen. Trinkt keinen Alkohol, denn dadurch wird eure Fähigkeit, gesunde Entscheidungen zu treffen, geschwächt.
Wenn ihr an Orte geht, die dunkel, verraucht, oder einsam sind, wird es schwierig sein, miteinander zu reden. Entweder müßt ihr sehr nahe zusammen sein um zu hören, was der andere sagt oder man spricht überhaupt nicht. Wenn die Person, mit der ihr zusammen seid, anfängt, etwas zu tun, was euch nicht gefällt, seid ihr dann zu verlegen um etwas zu sagen?
Wenn ihr Orten fernbleibt, an denen Leute gewöhnlich sexuell aktiv sind, dann werdet ihr nicht so leicht in Situationen kommen, wo euer Entschluß, gesunde Liebe zu leben, in Gefahr gerät.
C. Kleidet euch gut (oder gesund)
Kleidung ist auf eine Weise ein Weg um uns selbst zu „verpacken". Damit zeigen wir, wer wir sind und was wir über uns selbst denken. Normalerweise zeigt die Verpackung die wichtigste Eigenschaft eines Produktes. Wenn wir eine Packung sehen, auf der Schokolade abgebildet ist, was erwarten wir vom Inhalt? Schokolade, nicht wahr? Wenn wir gerne Schokolade essen, dann zieht uns diese Verpackung an. Wenn ihr euch sexy kleidet, was sagt das dann über euere Prioritäten aus? Wer wird dann von euch angezogen? Interessiert ihr euch für Leute, denen Sex am wichtigsten ist? Möchtet ihr eine Beziehung zu jemandem, der in erster Linie an eurem Körper interessiert ist?
Was sagt Eure Kleidung über euch aus? Zeigt sie, daß ihr euch selbst respektiert? Daß ihr stolz auf eure persönliche Würde seid? Ihr könnt wirklich schöne, leuchtende, aufregende Kleidung tragen ohne jemals etwas anzuziehen, was billige Blicke anzieht.
D. Wichtige Dinge für den Fall, daß ihr Hilfe braucht
z. B. eine Liste mit Namen von Leuten, die euch auflesen können, wenn ihr in eine schwierige Lage kommt und Kleingeld oder eine Telefonkarte.
Erinnert ihr euch an eure Liste, auf die ihr die Gründe für euren Entschluß für die gesunde Liebe aufgeschrieben habt? Nehmt auch diese mit. Wenn ihr in eine unangenehme Lage kommt, könnt ihr euch an einen stillen Ort zurückziehen, z. B. in die Toilette, die Liste herausholen und lesen und dann wird es euch leichter fallen, eurem Entschluß treu zu bleiben.
E. Denkt an euren Entschluß
Leider, wie wir das auch schon besprochen haben, werben die meisten Medien für ein falsches Ideal physischer Liebe und vernachlässigen die positiven Werte von wahrer Liebe, gesunder Liebe. Ihr müßt über eure eigenen Grenzen Bescheid wissen. Wenn ihr das Gefühl habt, daß euch bestimmte Programme oder Werbespots dazu bringen, über ungesunde Aspekte von Sex nachzusinnen, dann schaltet sie aus, schaut euch etwas anderes an oder tut etwas anderes. Über Sex zu reden wird euch dazu führen, auch an Sex zu denken.
Tagräume oder Phantasien über Sex ist der erste Schritt zu sexueller Erregung. Wenn ihr sexuelle Gedanken denkt, wird das euren Entschluß, enthaltsam zu sein, sabotieren. Studiert wahre Liebe, sprecht über wahre Liebe und denkt über echte Liebe nach.
Lebt gesunde Liebe. Gebt an andere Menschen, seid hilfsbereit, z. B. macht euer Wohngebiet sauber, besucht alte Menschen im Seniorenheim, macht Babysitter für eure Nachbarn (Anmerkung: junge Menschen müssen aber auch da vorsichtig sein, da manche Nachbarn nicht so reine Menschen sind). Besucht ältere Nachbarn, bietet ihnen an, bei der Gartenarbeit oder bei Besorgungen zu helfen, hört ihnen zu! Laßt sie Geschichten erzählen! Tut so als wären sie eure Großeltern und habt sie gern. Sie werden es euch erwidern!
Verwendet eure Energien darauf, euren wahren Charakter zu entfalten und wenn die Zeit kommt, um über physische Liebe nachzudenken, dann wird eure sexuelle Beziehung mit eurem Lebenspartner das aufregendste Erlebnis sein, das ihr je haben werdet - weil es gesund, frei und unbeschwert von irgendwelchen bedauerlichen Erinnerungen aus der Vergangenheit ist.
Ihr seid diejenigen, die entscheiden ob Enthaltsamkeit realistisch ist oder nicht. Wenn ihr euch von allzu frühen sexuellen Beziehungen zurückhalten möchtet, dann könnt ihr das, wenn ihr dieses Programm für gesunde Liebe befolgt.
Enthaltsamkeit kann der verläßlichste, und der praktischste Weg sein um eure Gesundheit zu schützen, weil ihr euch nicht auf Pillen oder andere Gegenstände, die man verlieren kann oder die versagen können, verlassen müßt. Alles, was es braucht, ist euer Gehirn und das habt ihr immer bei euch!
Erinnert euch daran: Sex passiert nicht zufällig! Seid euch dessen bewußt, was ihr tut. Erkennt die Situationen, die zu Sex führen können und trefft Entscheidungen, die euren Entschluß, gesunde Liebe zu leben, unterstützen.
..... Unser letzter Sprecher am Vormittag war Herr Siegfried Klammsteiner,
Frankfurt. Er ist seines Zeichens Familienberater. In Vorträgen und
persönlichen Beratungsgesprächen hat er vielen Paaren und Einzelpersonen
Auswege aus schwierigen Familiensituationen und neue Hoffnung geschenkt. Er
stammt aus Südtirol und studierte Medizin in Innsbruck. Dort erkannte er, daß
oft der Leib krank wird weil schmerzliche zwischenmenschliche Beziehungen die
Seele krank machen. Herr Klammsteiner sprach über die Entfaltung der
emotionalen Inteligenz, einer ganz neuen Definition von Intelligenz.
Siegfried Klammsteiner, Familienberater:
Man möchte Dinge fundiert behandeln, aber ich werde sie (wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit) nur anreißen können. Das was den Menschen wirklich zum Menschen macht, ist die Fähigkeit zu lieben. Die Liebesfähigen finden nicht nur ihr eigenes Glück sondern beglücken auch andere, die in ihren Einflußbereich geraten. Wir alle fühlen uns wohl, wenn wir in der Nähe von Menschen sind, die wirklich fähig sind über sich, ihren eigenen Egoismus hinauszugehen und die Anliegen und Bedürfnisse der anderen wahrnehmen und sich dafür mit einbringen.
Es ist natürlich auch eine absolut wichtige Grundlage für die Ehebeziehung, daß man fähig ist, füreinander da zu sein und nicht nur für sich selbst. Man fragt sich immer wieder - wie passiert das, so viele Ehen werden geschieden, vor allem hier bei uns im Westen - entgegengesetzt zum Alten China, wie wir eben gehört haben: dort kam zuerst die Ehe und dann die Liebe. Hier haben wir die feste Tradition der romantischen Ehe, das heißt Paare verlieben sich und entscheiden sich dann zu heiraten. Eigener Entschluß, Freiwilligkeit ist Voraussetzung. Trotzdem haben wir so hohe Scheidungsraten. Nach einer gewissen Zeit verfliegen die positiven Gefühle und so viele verhärtete Situationen treten auf.
Als Familienberater bin ich da mitten drin. Man sieht Ehen, die beinahe schon gescheitert sind oder wo der verzweifelte Versuch da ist, die Ehe noch zu retten. In diesen Auseinandersetzungen gibt es immer wieder so viele Emotionen - Verletzungen, Enttäuschungen und die Unfähigkeit, mit diesen Gefühlen umzugehen. Daran scheitern dann die Beziehungen. Deswegen sehe ich es schon als eine ganz wesentliche Komponente, als eine ganz wesentliche Voraussetzung, intelligent mit seinen Emotionen umgehen zu können, damit die Liebesbeziehungen überhaupt gelingen können.
Nun - kochen vor Wut, kalte Angst, Freude, die das Herz wärmt - Emotionen sind ein zentraler Bestandteil unseres Lebens. Richtig damit umzugehen ist eine wahre Kunst - wobei der Umgang mit den positiven Gefühlen wie:
Lust, Freude, Genuß, Befriedigung, Genugtuung, Erwartung, Hoffnung, Zuversicht, Auftrieb, Beschwingtheit, Erleichterung, Befreiung, Gleichmut, Ruhe, Freundlichkeit, Gelassenheit, Sicherheit usw. - keine Schwierigkeiten macht, oder zumindest empfinden wir es nicht so. Anders ist es mit den sogenannten negativen Empfindungen und Emotionen wie:
Unlust, Widerwille, Ekel, Unbefriedigung, Ärger, Apathie, Hoffnungslosigkeit, Zweifel, Bedrücktheit, Kummer, Trauer, Schwermut, Zorn, Unfreundlichkeit, Unruhe, Gehetztheit, Angst, Unsicherheit, Neid, Haß, Ressentiment usw. - das ist die eigentliche Problematik: Wie gehe ich damit um? Darüber hinaus spricht man von den unverarbeiteten Gefühlen und Erlebnissen in Form von „verdrängtem Material", oder „Energetischen Nebenzentren", die uns die Handhabung der Gefühle ganz schön schwer machen
Lange Zeit galt der Intelligenzquotient als die wichtigste Komponente bei der Bewertung ob ein Mensch erfolgreich sein wird oder nicht. Das hat sich vor allem im Westen herauskristallisiert und das hat seine Geschichte. Wir haben die Renaissance, danach die Aufklärung in der vor allem die Vernunft des Menschen als wesentlichster Aspekt gesehen wurde. Wir haben die Früchte dieser Entwicklung, den wirtschaftlichen Fortschritt und wir haben den Glauben, sozusagen mit der Vernunft kann man alles regeln und ein intelligenter Mensch hat alles in der Hand, was er für sein Leben braucht.
Aber mehr und mehr hat man erkannt, daß neben dem Intellekt eine andere Komponente für das glückliche Zusammenleben eine wesentliche Rolle spielt und das ist der emotionale Bereich. Und so haben in Anlehnung an den Intelligenzquotient Peter Salkovey und John Mayer, amerikanische Psychologen, den Begriff „Emotionale Intelligenz" geprägt. Das ist ein Ausdruck dessen, wie sehr man inzwischen begriffen hat, welch wichtige rolle nicht nur der Intellekt des Menschen spielt, sondern eben auch die emotionale Seite des Menschen. Der Psychologe Daniel Goleman hat es dann wunderbar zusammengefaßt in einem Buch, das sehr vielen schon bekannt ist, mit dem Titel „Die emotionale Intelligenz".
Goleman erklärt u. a., daß man im Berufsleben meistens auf Grund des Intelligenzquotienten eingestellt wird, aber befördert wird man aufgrund des Emotionalen IQ, d. h. die Art und Fähigkeit, wie man es versteht, mit Kollegen umzugehen, wie man sich im Miteinander verhält. Auch im Management ist „Intelligenz pur" - das ganz kalte, berechnende Vorankommen gar nicht mehr so gefragt, sondern Teamgeist und die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, diese Elemente spielen mehr und mehr einen wichtige Rolle. Er nennt für die emotionale Intelligenz fünf Fähigkeiten, die uns emotional intelligent machen. An diesen möchte ich mich heute hier orientieren. Und ich muß sagen, sie haben mir schon sehr, sehr geholfen bei der Bewertung und bei der Entschlüsselung und Entwirrung von emotionalen Problemen in den Beziehungen Ratsuchender und auch mir selbst um meinen Emotionshaushalt besser zu handhaben.
1. Die Emotionen erkennen, oder besser gesagt: Achtsamkeit - sie zu beachten. Sehr lange hatte man die Auffassung - vor allem auch in Deutschland - daß man mit starkem Willen und Disziplin seine Persönlichkeit unter Kontrolle behalten kann - man sollte sich Gefühle einfach nicht erlauben, sie einfach zu verdrängen durch harte, klare, starke Disziplin. Aber man erlebte immer wieder, daß in unkontrollierten Momenten diese verdrängten, und nicht zugelassenen Gefühle wie Pferde mit einem davon galoppierten.
Wer seine Gefühle wahrnimmt und lernt, darüber nachzudenken, ob er gerade Wut, Scham oder verletzte Eitelkeit in sich spürt, beherrscht die hohe Kunst der Achtsamkeit. Dies ist die Voraussetzung für eine Art Selbstkontrolle, für Goleman ein Eckpfeiler der emotionalen Intelligenz. Dazu gehört eben, sich der eigenen Gefühle in dem Augenblick, da sie auftreten, bewußt zu sein. Auf den ersten Blick scheinen unsere Gefühle etwas Offenkundiges zu sein, aber wenn wir es uns etwas genauer überlegen, fällt uns auf, daß wir bisweilen gar nicht bemerkt haben, was wir wirklich empfanden oder daß wir diese Gefühle erst nachträglich wahrnahmen. Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: absichtlich und nicht urteilend. Es bedeutet, uns unserer Stimmung als auch unserer Gedanken über diese Stimmungen bewußt zu sein. Das Schwierigste dabei ist, zu erfassen, warum wir eine solche Basis in uns haben, die uns zu entsprechenden Reaktionen veranlaßt.
Wodurch wird unser Emotionsbereich geprägt und geformt? In diesem Bereich spielt die Erfahrung der Kindheit eine ganz wesentliche Rolle. Wir saugen die Emotionen unserer Eltern geradezu auf und später, wenn wir z. B. in der selben Situation wie die Eltern sind, tauche sie wieder auf. Wir sind leichter in der Lage, unser Verhalten zu verändern und nicht fortzusetzen, wenn uns diese Zusammenhänge bewußt sind. Wenn wir zudem in der Lage sind, den Eltern trotz dieser Erfahrung zu verzeihen und wenn wir ihnen Nicht Vorwürfe machen oder sie wegen ihrer Unzulänglichkeit beschuldigen, haben wir gute Möglichkeiten, uns davon zu lösen und uns neue Verhaltensweisen anzueignen.
Es gibt viele Verhinderer einer direkten Gefühlswahrnehmung. Eine ganz wesentliche ist ein starres Selbstkonzept, das wir von uns haben. Habe ich zum Beispiel das Selbstbild, „Ich bin ein Mann, der seine Frau und seine Kinder und seine Eltern liebt" - dann kann ich Aufwallungen von Bitterkeit und Haß ihnen gegenüber mir selbst nicht zugestehen und kann mit diesen Gefühlen nicht vernünftig umgehen. Eine Hilfe, Emotionen zu erkennen und zu verstehen, ist sie zu benennen, sie mitzuteilen, sie auszudrücken. Natürlich ist das leichter in einer Atmosphäre des Vertrauens, der Offenheit und Ehrlichkeit. Das zeigt uns einmal mehr, wie wichtig die emotionale Basis für die Kommunikation ist.
2. Für die eigenen Gefühle Verantwortung übernehmen: Aufbauend auf dem Aspekt der Achtsamkeit folgt eine gewisse Kultiviertheit im Umgang mit den Emotionen. Wie schwierig der intelligente Einsatz der Gefühle ist, beschrieb schon Aristotoeles: „Jeder kann wütend werden, das ist leicht. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art - das ist nicht leicht."
Benjamin Franklin hat das so schön formuliert: „Wir sind nie grundlos wütend, aber selten aus einem guten Grund."
Eine Kultiviertheit im Umgang mit den Gefühlen beginnt damit, daß wir für unsere Gefühle Verantwortung übernehmen. Jeder ist für seine Gefühle selbst verantwortlich! Gewisse Umstände oder andere Personen sind zwar immer wider der Auslöser bestimmter Emotionen, welche Gefühle wir jedoch zulassen, dafür sind wir selbst verantwortlich. Wenn wir diese Verantwortung nicht übernehmen, werden wir zu Wesen, die fremdbestimmt sind. Genau diese Abhängigkeit ist es, die uns innerlich unfrei macht und die wir dann heftigst bekämpfen. Da wir nicht selbst dafür Verantwortung übernehmen, versuchen wir, die Umstände zu ändern oder klagen die Personen an, die in uns ganz bestimmte Gefühle hervorrufen.
Wie wertvoll ist es, zu lernen, die eigenen Gefühle zu managen, die Impulse in der richtigen Weise zu kontrollieren, zeigt uns das Experiment, das der US-Psychologe Walter Mischel in San Francisco durchführte und zwar an Kindern in einem Kindergarten. Den Kindern wurde gesagt, daß sie einen Marshmallow sofort bekommen könnten, aber wenn sie 20 Minuten warten würden, bis der Versuchsleiter etwas erledigt hätte, dann bekommen sie zwei Marshmallows. Ein Drittel der Kinder wollte nicht warten und griff sofort zu, eine weiteres Drittel wartete wenige Minuten und der Rest der Kinder harrte aus um sich zwei Marshmallows holen zu dürfen. 14 Jahre später wurden dieselben Kinder wieder untersucht und es ergab sich, daß die Geduldigeren von ihnen, später beliebter, unternehmungslustiger, selbstbewußter und verläßlicher waren als Teenager als diejenigen, die damals bei dem Versuch mit den Marshmallows nicht ausharren konnten. Die Kinder, die der Versuchung schnell nachgaben, waren mit größerer Wahrscheinlichkeit einsam, leicht frustriert und eigensinnig.
Wie kann so eine Kontrolle der Emotionen aussehen? Laßt uns das am Beispiel der Wut betrachten. Eine gute Möglichkeit ist, die Überzeugung zu hinterfragen oder zu untergraben, die dem Zorn überhaupt erst Nahrung gibt. Wenn wir bereit sind, die zornigen Gedanken Z. B. in Frage zu stellen und einer neuen Bewertung zuzuführen, können wir leichter damit umgehen. Es geht darum, solche Gefühle zwar nicht zu unterdrücken, aber auch nicht einfach nachzugeben. Die eigenen Gefühle zu managen beginnt damit, indem wir sie zulassen, sie akzeptieren und nicht indem wir sie bekämpfen und zu verdrängen suchen.
C.G. Jung sprach in diesem Zusammenhang von der Vereinigung mit dem eigenen Schatten. Das Verdrängen von Gefühlen heißt, sie nicht zu akzeptieren, sie nicht anzunehmen. Das erfordert viel Energie und macht uns unfrei. Es behindert die Kommunikation, weil in allem, was wir sagen, Dinge mitschwingen, die wir selber nicht mögen oder Gesagtes löst Dinge aus, die gar nicht so gemeint waren, da unsere Befindlichkeit dementsprechend beschaffen ist.
Diese Art der Beherrschung der Gefühle ist nicht, frei damit umgehen zu können. „Du brauchst dich nicht zu fürchten, du brauchst keine Angst zu haben, du brauchst nicht weinen" usw. - in all diesen Aussagen zeigen wir, daß wir in erster Linie gegen die Gefühle angehen, anstatt sie richtig zu lenken oder dem anderen helfen, sie zuzulassen, anzunehmen und richtig damit umzugehen. Gefühle wollen sich ausdrücken, wollen angenommen und verstanden werden und nicht unterdrückt und bekämpft werden.
Ein einfaches Beispiel: So oft verwechseln wir Auslöser und Ursache. Ein Verhalten von einer anderen Person löst in uns etwas aus, aber wir betrachten das als die Ursache. Mein kleiner Junge war in der Lage, schon als er drei Jahre alt war und nicht einmal so groß wie dieser Tisch, wenn es Zeit war ins Bett zu gehen, mich völlig aus der Fassung zu bringen. Er war in der Lage, meine Emotionen so sehr herauszufordern und lange Zeit habe ich ihn als die Ursache gesehen - die Ursache, daß ich so reagiere ist sein Verhalten. Bis ich eines Tages die Erkenntnis hatte, daß er meine Reaktion nur auslöst. Die Ursache liegt in mir. Wer sagt, daß ich so reagieren muß? Ich kann ja auch anders reagieren auf sein Verhalten. Die Ursache für meine Reaktion ist in mir, und er ist der Auslöser. Ich muß meine Emotionen richtig handhaben.
Ein großer Prozentsatz der Streitereien zwischen Menschen sind Schuldzuweisungen weil der andere in mir etwas ausgelöst hat und ich nicht wahr haben will, daß etwas in mir nicht aufgearbeitet ist, daß ich solche unbewältigte Reaktionsmuster in mir habe. Nun, zu lernen, seine Emotionen handzuhaben und sie richtig zu managen, dazu würde es ein eigenes Seminar erfordern. Nur ein kleiner Gedanke hier: Die Emotionen, die hochkommen, muß man von der Ursache her hinterfragen und ihnen die richtige Bedeutung geben. Z. B. wenn mich mein Junge so in Rage bringt weil er nicht folgt und immer wieder eine Idee hat um das Schlafengehen hinauszuzögern, kann ich mir in einer ruhigen Minute überlegen, war meine Reaktion berechtigt, war sie angemessen? Hinterfragen!
Im Grunde läuft immer Folgendes ab, wie das Goleman in seinem Buch sehr gut aufgezeigt hat: Warum weiß ein Kind ab einem gewissen Zeitpunkt: das ist eine Flasche, das ist eine Blume, das ist ein Baum? Das erste Mal wird es ihm gesagt und dann hat es den Prototyp in sich und der Gegenstand wird mit diesem Prototyp verglichen. Wenn es dann wieder einen Baum sieht, dann kommt die Erkenntnis: Aha, das ist auch ein Baum! Auch in unseren Gefühlen haben wir Muster in uns.
Diese Schaltung zwischen Auslöser und Ursache geht sehr schnell, schneller als über den Umweg des denkenden Gehirns. Das ist meistens ausgeschaltet. Man kann aber sehr wohl gegen Reaktionen etwas aufbauen und sich vornehmen: das nächste Mal, wenn wieder eine solche Situation kommt, dann reagiere ich so und so... Aber es funktioniert nicht immer gleich, man muß es öfter aufbauen und wenn diese Gedanken stark genug aufgebaut sind, dann ist das gewünschte Verhalten früh genug zur Stelle.
Was macht eine Feuerwehr, wenn sie immer wieder zu spät Alarm bekommen. Sie muß ein besseres Alarmsystem einbauen. In meinem Fall ist das auch so, ich muß dann zur Stelle sein mit meiner Überlegung „er löst wieder etwas in mir aus" und ich habe schon ein Reaktionsmuster in mir aufgebaut. Das geht aber nicht über Nacht, es ist eine harte, harte Arbeit aber es ist möglich. Emotionen sind nicht das Einzige, was wir haben. Wir haben auch den Intellekt, und wenn wir den dafür einsetzen, daß wir vernünftig mit den Emotionen umgehen, dann entsteht Emotionale Inteligenz, das ist eine Kombination.
Die eigentliche Lösung ist aber auf einer anderen Ebene. Man kann beliebig viele Seminare besuchen und sein ganzes Leben damit verbringen. Die eigentliche Lösung ist aber auf einer anderen Ebene: wir müssen lernen, aus unserer personalen Mitte heraus zu leben und den Emotionen den richtigen Stellenwert zu geben. Es geht nicht darum, die Emotionen völlig zu beherrschen, sondern von übergeordneter Ebene ihnen eine Richtung zu geben. So wie Kinder, die es unheimlich schwer haben, miteinander auszukommen ohne Eltern, die Streit wieder entwirren, die ihnen helfen, alles wider ins Lot zu bringen, so haben wir ein personales Zentrum, ich bezeichne es einfach einmal als Herz. Wenn wir mehr und mehr daran arbeiteten, unsere Herzensqualitäten zu entwickeln, dann hätten wir auch die Grundlage, unseren Emotionen die richtige Richtung zu geben, sie zu lenken. Ein Mensch, der seine Herzensqualitäten entwickelt hat, der jemanden wirklich liebt, dem andere wirklich etwas bedeuten, wird eine andere Gedankenwelt haben.
Wenn ich jemand hasse, so werden meine Gedanken, mein Intellekt zum Knecht dieser Emotionen und ich überlege nur, wie kann ich dieser Person etwas antun. Wenn ich aber liebe, dann überlege ich, was kann ich für die Person tun. Von dieser übergeordneten Ebene aus ist es die beste Möglichkeit, die Emotionen zu führen und zu lenken.
Bleiben Sie nicht bei den Emotionen stehen, sondern dringen Sie zu den wirklichen Bedürfnissen vor! Immer wieder werden wir dadurch blockiert, daß wir in einer Beziehung bei den Emotionen stehenbleiben, anstatt zu fragen: was ist mein Bedürfnis? Was ist mein eigentliches Bedürfnis wenn mich mein kleiner Junge hier so aus der Fassung bringt? In Wirklichkeit möchte ich ihm eigentlich zeigen, daß ich ihn gern habe und ich möchte, daß wir schöne Abende erleben. Und dann frage ich mich: wie kann ich diesen Bedürfnissen gerecht werden? Je mehr ich diesen Bedürfnissen gerecht werde, aufbaue, sie sättige, um so leichter habe ich es dann, meinen Emotionen eine Richtung zu geben. Der wesentlichste Punkt in dieser ganzen Angelegenheit ist, daß der Mensch zu seinem innersten Kern findet und von da heraus lebt. Er entdeckt, daß er einen immensen Reichtum in sich hat. Alle Dogmen, alle Religionen sind nur eine Hilfe um diesen innersten Reichtum zu entdecken und aus diesem heraus zu leben, den kosmischen Gesetzen entsprechend. Das ist dann sozusagen ein Mensch, der keine Religion mehr braucht, der keine Gesetze mehr braucht, der in sich alles gefunden hat.
Wir haben diese Quelle noch nicht völlig aktiviert und „angezapft". Dort ist die Instanz von wo aus man Emotionen überhaupt erst richtig lenken kann, auch die Sexualität.
Sexualität ist ein ganz starker emotionaler Aspekt des Menschen. Die sexuellen Gefühle gehören zu den intensivsten Gefühlen. Dennoch ist es eine Lüge, wenn man der heutigen Jugend sagt, du kannst alle Gefühle beherrschen, aber die sexuellen Gefühle nicht. Das wäre genauso wenn wir sagen: wenn du Wut empfindest, dann mach’ dir keine Vorwürfe - hau’ drauf! Wut ist unbeherrschbar. Darum: wenn du sexuelle Gefühle hast - ausleben, das ist das einzige - die Gefühle auszuleben ist nie die richtige Lösung, sondern ihnen den richtigen Stellenwert zu geben, sie zu lenken und sie richtig einzusetzen und sie erst im richtigen Moment voll auszuleben. Wenn sie im falschen Moment ausgelebt werden, zerstören sie die Beziehungen.
Der Umgang mit Sexualität hat auch sehr viel zu tun mit dem Umgang mit Emotionen im Allgemeinen und ist nicht außerhalb des Menschen sondern ein Teil von ihm. In diesem Bereich gebt es viele Ausreden, weil wir uns noch nicht genug um einen richtigen Umgang mit der Sexualität bemüht haben.
3. Mitfühlen zu können, sich wirklich in die Lage des anderen hineinversetzen zu können ist der dritte Aspekt der emotionalen Intelligenz. Der Schlüssel dafür liegt in der Kindheit. Wenn ein Kind immer wieder erlebt hat, daß seine Gefühle ernst genommen werden, daß man auf seine Gefühle eingeht, daß seine Empfindungen wahrgenommen werden, dann geht es später als Erwachsener mit seinen Gefühlen auch so um und auch mit den Gefühlen anderer.
Aber wer das nicht erlebt hat, wird seine Achtsamkeit den eigenen Gefühlen gegenüber nicht entwickeln und sie werden wilde Pferde in seinem Stall bleiben, die ab und zu mit ihm davonlaufen und man hat schon gar nicht die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Die Stimmungen des anderen schnell wahrzunehmen, darauf einzugehen und entsprechend zu reagieren, macht einen EQ-Profi aus. Wie jede andere emotionale Fähigkeit ist auch die Fähigkeit, sich in die Lage eines anderen versetzen zu können, sich in seine Bedeutungswelt einfühlen zu können, eine Eigenschaft, die durch Erfahrung geformt werden kann. Kinder, die in einer emotional gesunden Familie aufwachsen, lernen, sich selbst und ihre Gefühle so zu behandeln, wie ihre Betreuungs- oder Bezugspersonen sie behandelt haben.
Wenn im Laufe unserer Entwicklung unsere grundlegendsten Bedürfnisse nicht erfüllt wurden oder wenn wir unverarbeitete Erlebnisse der Vergangenheit in uns tragen, werden sie in späteren Beziehungen in Form von unverarbeiteten Gefühlen wieder hervorgerufen. Weil viele Menschen Nicht gelernt haben, mit solchen Gefühlen umzugehen, trennen sie sich wieder voneinander, in der Hoffnung, daß in einer neuen Partnerschaft diese Gefühle nicht mehr geweckt werden. Wichtig wäre, daß in einer solchen Situation die Möglichkeit besteht, liebevoll und respektvoll darüber zu reden, Verständnis und Unterstützung zu finden, wenn dem inneren Kind die Fürsorge zuteil werden kann, wie ein Kind es verdient. Dadurch werden wir frei, uns für den anderen zu öffnen und wir werden fähig, das Mitgefühl für unseren Partner, für die Mitmenschen aufzubringen, das alle notwendig brauchen und auch suchen.
5. Die Soziale Inteligenz, ist der Umgang mit den Gefühlen Anderer, die auf mich zukommen. Damit ist gemeint, fähig zu sein, Miteinander so umzugehen, daß die emotionalen Bedürfnisse abgedeckt und erfüllt werden und nicht Streß und Frustration das Resultat sind, oder daß es dabei nicht zu emotionalen Verletzungen kommt. Steigende Kriminalität, Drogenkonsum, Gewalt in den Familien und in den Schulen, die hohe Selbstmordrate unter Jugendlichen sind Beweis genug, wie sehr wir eine „Emotionsschule" notwendig hätten. Emotionale Kompetenz lernen wir nur im Umgang mit anderen Menschen, wobei der Familie gerade in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Rolle zukommt. Wir sind dann viel besser in der Lage mit Meinungsverschiedenheiten, mit Konflikten und Problemen in unseren Beziehungen umzugehen, wenn wir unsere eigenen Gefühle bewußt wahrnehmen, erkennen, annehmen und managen können.
Das ist die größte Kunst die dann wirklich zum Tragen kommt. Es ist natürlich sehr leicht, auf sehr viel Wohlwollen, Respekt und Aufmerksamkeit usw. positiv zu reagieren. Aber was ist, wenn das Gegenteil der Fall ist? Hier gibt es wiederum eine ganz wesentliche Hilfe, wenn man versteht, daß alles was mir zuteil wird, mir hilft, mich selbst besser kennenzulernen. Die Art, wie ich die Umgebung oder speziell die Beziehungen erlebe, gibt mir Aufschluß über mich. Habe ich Ärger, Wut, bin ich frustriert oder enttäuscht usw., das alles sind Hinweise auf unverarbeitete Gefühle in mir. Die Umstände, die mir das zeigen, sind gleichzeitig auch die Chance, die Basis in mir zu verändern, so daß mich diese Umstände oder diese Probleme in der Beziehung nicht mehr beherrschen können. Nur so können wir uns in einen wahrlich freien Menschen entwickeln, der sein Leben eigenständig in die Hand genommen hat. Nicht Schuldzuweisung und Anklage sind die Folge, sondern letztlich Dankbarkeit und Wertschätzung den Menschen und Umständen gegenüber, durch die wir mehr über uns lernen konnten.
Alle Beziehungen sind eine Schule, um uns eine Hilfe zu sein, unser Innenleben in Ordnung zu bringen und Ausgangspunkt positiver Emotionen zu werden. Das alte Sprichwort „wie man in den Wald hineinruft, so hallt es zurück" hat gerade auch bei der Handhabung unserer Gefühle in den Beziehungen seine Richtigkeit.
Wenn jemand zu mir respektlos ist und ich kann das nicht annehmen, ich reagiere darauf unkorrekt, dann war dieses Verhalten z. B. eine Hilfe um in mir etwas ans Licht zu bringen und ich habe jetzt Gelegenheit zur Erkenntnis. Der Andere ist ja nur Auslöser, aber ich habe es in der Hand, wie ich reagiere. Und so kann das ganze Leben eine Schule werden um die eigenen Emotionen richtig handzuhaben. Ich kann dankbar sein, in Situationen zu kommen, in denen ich verachtet werde, weil ich dadurch lerne, daß ich auch damit umgehen kann. Es kann mich nicht mehr sozusagen von meinem Weg, ein positiver, gebender Mensch zu sein, abbringen.
Dies sind die wesentlichen Inhalte der neuen erkannten emotionalen Intelligenz, die ich im Alltag immer wieder bestätigt finde und deshalb möchte ich diese Punkte hier noch einmal zusammenfassen: - Achtsamkeit, die Gefühle managen, durch Verantwortung, sie von einer höheren Stelle aus lenken, das Leben aus der Mitte her gestalten, Mitgefühl und soziale Inteligenz, intelligente Reaktionen auf die Gefühle anderer - das ist emotionale Inteligenz.
Ich möchte mich bedanken für Ihre Aufmerksamkeit.